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Altersabstand von Paaren

Warum sich Frauen einen jüngeren Mann nehmen sollten

Frauen leben länger als Männer. Um im Alter nicht allein zu sein, wäre ein jüngerer Partner die richtige Wahl. Ihn zu finden, ist aber gar nicht so einfach.

Ein Paar rennt Hand in Hand den Strand entlang.
Ein jüngerer Mann hat vielleicht nicht nur die bessere Kondition beim Strandlauf. Mit ihm sinkt auch das Risiko der Frauen, im Alter  allein zu sein.

Wäre die Liebe eine rationale Sache, dann dürfte es die meisten Paare gar nicht geben. Denn dass in acht von zehn Beziehungen hierzulande der Mann älter oder gleichalt ist, ist aus Sicht der Frauen ziemlich unvernünftig. Zumindest dann, wenn sie gemeinsam mit ihrem Partner das Lebensende erreichen wollen.

Dafür müsste der Auserwählte eigentlich vier Jahre jünger sein. Denn so viel leben Frauen durchschnittlich länger als Männer. Wie aber sieht die Realität aus? Nicht vier Jahre jünger, sondern etwa vier Jahre älter ist der Gatte oder Lebensgefährte im Schnitt. Rechnerisch versterben die Männer also rund acht Jahre vor ihren Partnerinnen. Die Folge: Einsamkeit im Alter ist vor allem ein weibliches Phänomen. Während von den Männern ab 60 nur 17 Prozent allein leben, sind es bei den Frauen 41 Prozent. Und gut jede dritte Frau in dieser Altersgruppe ist verwitwet, von den Männern nur jeder zehnte.

Altersgefälle fußt auf klassischer Rollenverteilung

Doch wie kommt es eigentlich, dass Frauen meist einen älteren Partner haben? Nach Ansicht der Soziologin Ursula Richter liegt das an der historisch gewachsenen Zuordnung der Geschlechter zu Beruf und Familie. „Die Tradition ist auf die klassische Rollenverteilung zurückzuführen: der Mann als Ernährer; die Frau als diejenige, die sich um Kind und Haushalt kümmert.“ Wer früher um die Hand einer Frau anhielt, musste die Eltern der Angebeteten erst davon überzeugen, eine eigene Familie durchbringen zu können. Nicht die Liebe war das Motiv der Heirat, es ging um Stand, Einkünfte und Arbeitsfähigkeit des Mannes – zumal auf dem Land.

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts entsprach die klassische Rollenverteilung der Norm. Der Mann arbeitete, die Frau blieb daheim und versorgte die Kinder. So lag die Erwerbsquote von Frauen 1950 in Westdeutschland bei lediglich 44 Prozent, von den verheirateten war gar nur jede vierte berufstätig. Seitdem hat sich jedoch viel getan: „Frauen haben heute eine ganz andere Stellung in der Gesellschaft“, so Richter. Immer mehr gehen arbeiten, machen ganz selbstverständlich Karriere und sind finanziell unabhängig – und damit auch freier in der Partnerwahl. „Frauen haben früher die Sicherheit gesucht, das ist heute nicht mehr so“, betont Richter.

Altersunterschied seit Jahrzehnten konstant

Auch die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Paaren, bei denen die Frau die ältere ist, habe sich verbessert. Die 75-Jährige weiß, wovon sie spricht. Mehr als 30 Jahre lang war Richter mit einem jüngeren Mann verheiratet. Als sie ihre Erfahrungen 1989 im Buch „Einen jüngeren Mann lieben. Neue Beziehungschancen für Frauen“ zu Papier brachte, brach sie noch ein Tabu. Heute erregten Beziehungen wie ihre kaum noch Aufsehen, so Richter. Dies zeige sich auch in der Berichterstattung über den neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron und seiner 25 Jahre älteren Frau Brigitte, die in den Medien gar als Stilikone gefeiert wird. „Dieses Paar hat mit Sicherheit eine große Vorbildwirkung.“

Die Grafik zeigt die Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Frauen leben durchschnittlich länger
Der Unterschied in der Lebenserwartung neugeborener Jungen und Mädchen liegt aktuell bei rund vier Jahren.

Doch obwohl die Toleranz gestiegen ist und das Ernährermodell an Bedeutung verliert: Dass Sie älter ist als Er, kommt weiterhin selten vor. Nur auf knapp jede fünfte Beziehung trifft das zu. „Auch der durchschnittliche Altersabstand hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht sehr verändert“, weiß Thomas Klein vom Max-Weber-Institut für Soziologie an der Universität Heidelberg. Der Wissenschaftler hat auch eine einfache Erklärung parat: „Der Altersabstand wird von Generation zu Generation weiter gegeben.“ Heißt: Wenn Frauen bereits einen älteren Partner haben, bleibt den gleichaltrigen Männern gar nichts anderes übrig, als sich ihrerseits bei den jüngeren Jahrgängen umzusehen.

Nicht nur die Wünsche, auch die Gelegenheiten prägen die Partnerwahl

Dies zeigt: Das tradierte Altersgefälle in den Beziehungen ließe sich nur langsam auflösen. So willkürlich und unberechenbar die Liebe einerseits ist, so ist sie doch auch Ergebnis der Umstände. „Die Partnerwahl ist nicht nur von den eigenen Wünschen abhängig, sondern auch den Gelegenheiten“, betont Klein. Und die werden eben vom historisch gewachsenen Altersabstand maßgeblich bestimmt. Auch Wohnort, Bildungsweg, Konfession oder der Arbeitsplatz entscheiden mit darüber, in wen wir uns verlieben (können).

Auch wenn sich der durchschnittliche Altersabstand kaum verändert hat: Die Zahl von Paaren mit deutlichem Altersunterschied steigt. Klein macht dafür zwei Entwicklungen verantwortlich: Zum einen findet die Partnerwahl heute später statt, etwa wegen längerer Ausbildungszeiten. Und mit 30 ergeben sich einfach mehr Kontakte zu anderen Altersgruppen als mit 20. Zudem gehen heute viele Beziehungen wieder in die Brüche. „Wer im höheren Alter auf Partnersuche geht, muss sich zwangsläufig breiter umschauen, da das Angebot an annähernd gleichaltrigen Singles einfach geringer ist“, so Klein.

Großer Altersabstand ist riskant für die Stabilität einer Beziehung

Doch selbst wenn Frau einen jüngeren Mann gefunden hat: Das Risiko, dass eine solche Partnerschaft zerbricht, ist höher. „Es gibt Indizien dafür, dass ein ähnliches Alter eine stabile Partnerschaft begünstigt“, sagt Klein. Sobald die Frau mehr als fünf Jahre oder der Mann mehr als zehn Jahre älter sei, steige das Trennungsrisiko deutlich. Wobei weniger der Altersabstand ausschlaggebend sei als vielmehr die Lebensphase, in der sich die Partner befinden. „Wenn sie sich sehr stark unterscheiden, entsteht zu viel Reibung“, sagt der Wissenschaftler.

Konflikte birgt ein großer Altersabstand besonders in den Zwanzigern und Dreißigern: „Die Lebensphasen verlaufen dann in dichter Abfolge“, betont Klein. Ausbildung, Berufsstart, Haushaltsgründung, Karriere- oder Familienplanung – wenn der Partner nicht in der gleichen Welt lebt und dieselben Wünsche hat, kann es schneller zu Konflikten kommen. Knackpunkt ist vor allem die Familienplanung. „Bei der Frau tickt die biologische Uhr. Das ist ein Nachteil für sie“, sagt Richter. Der ungleiche Kinderwunsch sei auch der Hauptgrund, warum Beziehungen mit älteren Frauen scheiterten.

In der Lebensmitte spielen Altersunterschiede eine geringe Rolle

In der Lebensmitte lässt sich ein größerer Abstand hingegen besser verkraften. Alltag und Interessen der Partner unterscheiden sich kaum. Auch die Kinderplanung spielt keine Rolle mehr. Im Alter stehen Beziehungen mit großem Altersunterschied aber erneut vor Bewährungsproben: Dann, wenn einer noch arbeitet, der andere aber vielleicht schon im Ruhestand ist. Oder ein Partner noch gesundheitlich fit ist, während der andere schon über größere Wehwehchen klagt.

Doch daran mag beim ersten Date noch niemand denken. Und warum auch? Schließlich ist die Liebe keine rationale Sache!

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