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Private Altersvorsorge

Die Jüngeren müssen mehr sparen

Wer früher spart, hat später mehr. Allerdings gibt es ergiebigere Varianten als das Sparschwein. (Foto: Getty)

Das Rentenniveau sinkt, die Lebenserwartung steigt: Damit erhöht sich der Vorsorgebedarf. Ein späterer Renteneintritt könnte den Aufwand mildern, ist jedoch verpönt.

Früher war alles besser, heißt es oft. Womit fast genauso oft die Vergangenheit einfach nur verklärt wird. Für die private Altersvorsorge gilt dieser Satz aber durchaus, wie Oliver Ehrentraut weiß. „Jüngere müssen mehr als doppelt so viel fürs Alter zurücklegen als die Älteren“, sagt der Wissenschaftler vom Analysehaus Prognos, das exemplarisch für drei Jahrgänge den Sparbedarf ermittelt hat.

Der Jahrgang 1960 muss demnach 2,1 Prozent seines Erwerbseinkommens für die private Altersvorsorge aufbringen, bei den 1975 Geborenen sind es 4,4 Prozent und bei den 1990 Geborenen 3,9 Prozent. In konkreten Beträgen heißt das: Wer 1960 zur Welt gekommen ist, muss während seines Berufslebens etwa 26.000 Euro beiseitelegen, die 1975 Geborenen 81.000 Euro und die 1990 Geborenen 111.000 Euro. Prognos unterstellte für alle Jahrgänge einen Sparbeginn mit 26 Jahren und ein abgestrebtes Rentenniveau von 55 Prozent. Das ist das Verhältnis von Durchschnittsrente zu Durchschnittsverdienst, so wie es 2001 einmal war.

Sinkendes Rentenniveau vergrößert Vorsorgelücke

Seitdem ist das Niveau stetig gesunken. Und es dürfte wegen des demografischen Wandels weiter sinken, was auch der wichtigste Grund dafür ist, dass der Sparbedarf von Generation zu Generation steigt. „Je jünger der Jahrgang, desto stärker ist er davon betroffen“, so Ehrentraut. Während die 1960 Geborenen laut Prognos noch ein Rentenniveau von 49,4 Prozent erwarten können, sind es beim Jahrgang 1975 noch 45,1 Prozent und beim Jahrgang 1990 gar nur 43,7 Prozent.

Doch es liegt nicht nur am sinkenden Rentenniveau, warum die Deutschen mehr vorsorgen müssen. Sie werden zugleich immer älter, und damit verlängert sich der Ruhestand. Zwar steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre an, die Lebenserwartung nimmt jedoch weiter zu. Während der Jahrgang 1960 statistisch mit etwa 21 Jahren Rente rechnen kann, sind es bei den 1990 Geborenen aus heutiger Sicht bereits 24 Jahre – obwohl sie ein Jahr länger arbeiten.

Niedrigzinsen erschweren Vermögensaufbau

Die Jüngeren müssen also für einen längeren Zeitraum vorsorgen – und das noch unter erschwerten Bedingungen. Denn ihr höherer Sparbedarf ist auch die Folge der niedrigen Zinsen, die den Vermögensaufbau erschweren. Den Effekt hat Prognos in seiner Studie ebenfalls berücksichtigt, wenngleich langfristige Zinsprognosen extrem unsicher sind.

Sicher dagegen ist: Wer früh mit dem Sparen beginnt, mildert die jährliche Belastung. Die 1990 Geborenen müssen jährlich rund 2700 Euro beiseitelegen, wenn sie – wie im Basisszenario unterstellt – mit 26 Jahren mit der Altersvorsorge anfangen. Beginnen sie damit schon fünf Jahre früher, sinkt der jährliche Sparbedarf um 13 Prozent auf 2360 Euro.

Späterer Renteneintritt würde Sparaufwand senken

Den Sparaufwand senken könnte auch eine Maßnahme, die Arbeitnehmer freilich nicht selbst beeinflussen können: eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters. „Längeres Arbeiten führt zu höheren Ansprüchen aus der gesetzlichen Rente und kann dazu beitragen, den längeren Ruhestand zu finanzieren“, betont Prognos-Studienleiter Ehrentraut. Er hält es für sinnvoll, das Renteneintrittsalter an die fernere Lebenserwartung zu koppeln.

Gleiches hat jüngst auch die Bundesbank vorgeschlagen. Auch aus ihrer Sicht könnte der Anstieg so ablaufen, dass das Verhältnis aus Beitrags- und Rentenjahren gleich bleibt. In dem Fall würde das Renteneintrittsalter bis 2070 auf gut 69 Jahre klettern. Die Deutschen halten davon wenig. Rund drei Viertel lehnen laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ab.

Wohl auch deshalb scheut die Politik die Debatte darüber. Die Bundesregierung hat lediglich eine Rentenkommission eingesetzt, die erst Vorschläge erarbeiten soll, wie das umlagefinanzierte Rentensystem langfristig zukunftssicher gemacht werden kann. Wenn aber die Beiträge nicht übermäßig steigen oder das Rentenniveau zu stark absinken soll, führt an einer Anhebung des Renteneintrittsalters eigentlich kein Weg vorbei.

Welche Vorschläge die Rentenkommission auch immer präsentieren mag: Besser als früher wird es bestimmt nicht mehr.

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