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Demografischer Wandel

So verändert sich Deutschlands Bevölkerung bis 2060

Niedrigere Geburtenrate, steigende Lebenserwartung und Zuwanderung: Das sind die demografischen Trends – und sie haben tief greifende Folgen.

Menschenmenge bildet die Deutschlandkarte
Deutschlands Bevölkerung verändert sich in Zukunft – so wie schon in der Vergangenheit (Foto: Gettyimages).

Die Bevölkerung Deutschlands wandelt sich. Nicht erst seit gestern oder vorgestern. Es ist im Grunde ein fortwährender Prozess – ohne Anfang und Ende. Doch die Einflussfaktoren verändern sich von Zeit zu Zeit deutlich und machen neue Prognosen notwendig.

Das Statistische Bundesamt hat nun die Trends der vergangenen Jahre ausgewertet und in seine 14. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung einbezogen (eine animierte Grafik dazu gibt es hier). Die neuen Zahlen erheben nicht den Anspruch, die Zukunft korrekt abzubilden. Die Modellrechnungen geben aber einen guten Eindruck davon, wie sich der demografische Wandel unter bestimmten Rahmenbedingungen vollziehen würde.

Das sind die Trends…

1. Die Geburtenrate bleibt niedrig

Seit Jahrzenten werden in Deutschland wenig Kinder geboren. Zwar bekamen die Deutschen in den vergangenen knapp zehn Jahren wieder mehr Nachwuchs, die Geburtenziffer von zuletzt 1,57 Kindern je Frau liegt jedoch unter dem Wert von zwei, der notwendig wäre, damit die Bevölkerung nicht schrumpft.

Doch von solch einem Wert ist auch in Zukunft nicht auszugehen. Denn einige Trends sind langfristig ziemlich stabil, so entscheiden sich zum Beispiel Familien weiterhin erst spät für Nachwuchs, auch die Zahl der Kinderlosen bleibt relativ hoch. Zumindest scheint der über 30 Jahre anhaltende Rückgang der Kinderzahl je Frau gestoppt. Bei den 1970er- und 1980er-Jahrgängen ist die endgültige Kinderzahl je Frau leicht gestiegen. Auch die hohe Geburtenhäufigkeit der Zuwanderinnen trägt zum Anstieg der Geburtenrate bei. Aus den lang- und kurzfristigen Trends leitet das Statistische Bundesamt drei Annahmen zur durchschnittlichen Geburtenziffer bis 2060 ab:

  • Hohe Geburtenrate: 1,7 Kinder je Frau
  • Moderate Geburtenrate: 1,55 Kinder je Frau
  • Niedrige Geburtenrate: 1,4 Kinder je Frau

2. Die Lebenserwartung steigt weiter

Seit 145 Jahren steigt in Deutschland die Lebenserwartung kontinuierlich an. Derzeit hat ein neugeborener Junge eine Lebenserwartung von rund 78 Jahren, ein Mädchen von rund 83 Jahren. (Hinweis: Die Werte basieren auf der Periodensterbetafel, nach der Generationensterbetafel werden die Menschen noch viel älter. Eine Erklärung des Unterschieds gibt es hier.) Damit hat sich die Lebenserwartung bei Geburt seit Ende des 19. Jahrhunderts bei beiden Geschlechtern mehr als verdoppelt.

Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass der Trend anhält. Die Statistiker führen das zum Beispiel auf die verbesserten Lebensumstände zurück, auf die sinkende Raucherquote, den abnehmenden Alkoholkonsum und die bessere medizinische Versorgung.

In Zukunft werden aber nur noch die höheren Altersstufen den Anstieg der Lebenserwartung beeinflussen. Bei den Jüngeren ist das Sterberisiko bereits so gering, dass sich eine Verbesserung der Verhältnisse kaum noch auf die Entwicklung der Gesamtlebenserwartung auswirken wird. Drei Szenarien bis 2060 haben Deutschlands Chefstatistiker ihren Berechnungen unterstellt.

  • Hoher Anstieg der Lebenserwartung: 89,6 Jahre (Mädchen); 86,2 Jahre (Jungen)
  • Moderater Anstieg der Lebenserwartung: 88,1 Jahre (Mädchen); 84,4 Jahre (Jungen)
  • Niedriger Anstieg der Lebenserwartung: 86,4 Jahre (Mädchen); 82,5 Jahre (Jungen)

3. Deutschland bleibt ein Einwanderungsland

Deutschland verbucht seit Jahrzehnten einen positiven Wanderungssaldo. Von 1955 bis 2018 kamen im Schnitt jährlich 221.000 Menschen mehr nach Deutschland als wieder gingen – wobei sich die Entwicklung immer in Wellen vollzog. Ohne die Zuwanderung wäre jedenfalls die Bevölkerungszahl bereits Anfang der 1970er-Jahre geschrumpft.

Auch für die Zukunft nehmen die Statistiker eine Zuwanderung an. Sie begründen dies unter anderem mit dem zunehmenden Arbeitskräftebedarf. Auch die Krisenherde im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika würden darauf hindeuten, dass die Zuwanderung Schutzsuchender mittelfristig auf der Tagesordnung bleibt.

Bislang kommt das Gros der Einwanderer aus Europa – insbesondere aus den Ländern Ost- und Südosteuropas. Der Zustrom von dort dürfte in Zukunft jedoch abnehmen, da die Bevölkerung in diesen Staaten altert – und damit die Zahl der Menschen im abwanderungsaktiven Alter abnimmt.

Wie viele Menschen künftig nach Deutschland strömen, vermag das Statistische Bundesamt nicht abzuschätzen. Zu sehr ist die Entwicklung von politischen Entscheidungen abhängig. Für ihre Modellrechnungen hat die Behörde schlicht Durchschnittswerte aus vergangenen Referenzzeiträumen herangezogen und in die Zeit bis 2060 projiziert.

  • Hohe Nettozuwanderung: 311.000 pro Jahr (Ø 1990-2018)
  • Moderate Nettozuwanderung: 221.000 pro Jahr (Ø 1955-2018)
  • Niedrige Nettozuwanderung: 147.000 pro Jahr (Ø 1955-1989)

…und so wirken sie

1. Die Einwohnerzahl schrumpft

Dank der Zuwanderung ist die Bevölkerung in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Ende 2018 zählte Deutschland erstmals 83 Millionen Einwohner. Kurzfristig setzt sich das Wachstum fort, spätestens ab Ende der 2020er-Jahre kehrt sich der Trend jedoch um. Die Zahl der jährlichen Sterbefälle wird dann auf mehr als ein Million pro Jahr klettern – und in der Folge die Zahl der Geburten um bis zu 530.000 pro Jahr übersteigen.

Inwieweit die Zuwanderung das Geburtendefizit ausgleicht, ist ungewiss. Die prognostizierte Spanne zur Einwohnerzahl im Jahr 2060 ist entsprechend groß, sie reicht von 74 bis 83 Millionen Menschen. Für beide Werte unterstellt das Statistische Bundesamt eine moderate Entwicklung der Lebenserwartung und der Geburtenhäufigkeit. Einziger Unterschied: Einmal rechnen die Statistiker mit einem niedrigeren Zuwanderungssaldo von rund 150.000 Personen pro Jahr – das andere Mal mit einem starken Plus von 310.000.

2. Die Bevölkerung altert

Die Gruppe der über 67-Jährigen in Deutschland ist seit 1990 um 54 Prozent auf 15,4 Millionen gestiegen. Und sie wächst weiter. Denn die starken Jahrgänge der Babyboomer, die heute zwischen Ende 40 und Anfang 60 sind, erreichen in den nächsten 20 Jahren nach und nach das Rentenalter.

Abhängig von der Entwicklung der Lebenserwartung könnte die Zahl der über 67-Jährigen bis 2060 auf rund 21,5 Millionen steigen. Davon wären annähernd zehn Millionen sogar 80 Jahre und älter. Zum Vergleich: Heute umfasst die Gruppe der sogenannten Hochaltrigen erst 5,4 Millionen Menschen.

Gleichzeitig sinkt die Zahl der Jüngeren. Derzeit sind 14,4 Millionen Menschen 18 Jahre oder jünger. 2060 werden es bei moderatem Wanderungsplus zwischen 12,2 und 13,4 Millionen sein – abhängig davon, ob sich die Geburtenrate schwach oder moderat entwickelt. Um annähernd wieder auf das Niveau von Mitte der 1990er-Jahre zu kommen, als Deutschland 16,8 Millionen Kinder und Jugendliche zählte – müssten sowohl Geburtenrate als auch die Zuwanderung stark steigen.

Die zunehmende Zahl älterer Menschen zieht auch den Altersschnitt der Bevölkerung nach oben. Abhängig von der Zuwanderung und Geburtenentwicklung wird das Durchschnittsalter 2060 bei 45 bis 50 Jahren liegen. Heute zählen die Einwohner im Schnitt 44 Lenze – bereits fünf mehr als 1990.

3. Es gibt weniger Arbeitskräfte

2018 waren etwa 51,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 66 Jahren (die künftig höhere Altersgrenze hat das Statistische Bundesamt bereits berücksichtigt). Wenn die starken Jahrgänge in den kommenden 20 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, schrumpft diese Zahl erheblich. Ohne Nettozuwanderung würden allein bis 2035 neun Millionen Arbeitskräfte fehlen. Um diesen Verlust auszugleichen, müssten bis dahin jährlich 530.000 Personen im erwerbsfähigen Alter nach Deutschland kommen. Doch das ist unrealistisch.

Selbst bei einer unterstellten hohen Zuwanderung sinkt die Zahl der erwerbsfähigen Personen bis 2035 um 4,4 auf 47,4 Millionen. Bis 2060 würde sie in dem Szenario nur noch moderat auf 46 Millionen abfallen. Im ungünstigsten Fall könnten es im Vergleich zu heute aber auch zwölf Millionen Menschen weniger sein. Die Zahl der Erwerbspersonen läge 2060 dann nur noch bei rund 40 Millionen.

4. Belastung für Generation Mitte steigt

Durch den demografischen Wandel kommen auf die Menschen im Erwerbsalter potenziell größere Belastungen zu. Sie finanzieren mit ihren Beiträgen ja nicht nur die Renten. Sie sind es auch, die direkt oder indirekt für die Ausbildung und Erziehung der Jüngeren aufkommen müssen.

Doch das Verhältnis zwischen Personen im erwerbsfähigen Alter (20-66 Jahre) auf der einen, und den Senioren sowie Kindern und Jugendlichen auf der anderen Seite verschlechtert sich. 2018 kamen auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter 60 potenzielle Leistungsempfänger. In 20 Jahren werden es bereits 80 sein. Sollte die Geburtenhäufigkeit zunehmen, die Nettozuwanderung dauerhaft auf hohem Niveau bleiben und die Lebenserwartung geringer steigen, wird sich dieses Verhältnis nach 2038 leicht entspannen, um 2060 wieder 80 zu betragen. Bei einer stark alternden Bevölkerung könnte der Wert aber sogar auf 88 klettern. Dies zeigt, dass die potenzielle Belastung für die Generation Mitte deutlich zunehmen wird – unabhängig von den Annahmen.

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