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Extremsparer

Mit 40 in Rente

Frugalisten stecken einen Großteil ihres Einkommens in die Vorsorge. Ihr Ziel: So früh wie möglich nicht mehr arbeiten zu müssen. 

Florian Wagner ist Frugalist und gibt auf seinem Blog geldschnurrbart.de Tipps für den Weg zur finanziellen Freiheit.

Geld fand Florian Wagner schon immer interessant. Als Kind sammelte er Pfandflaschen, als Jugendlicher trug er Prospekte aus. Was er zusätzlich zum Taschengeld verdiente, notierte er haarklein und beobachtete fasziniert, wie sein „Vermögen“ durch eine gewisse Sparsamkeit wuchs. Der Name seiner Katze: Euro.

Heute ist Wagner 31 Jahre alt und arbeitet daran, dass Geld in seinem Leben vielleicht bald keine Rolle mehr spielt. Wagner ist Frugalist: Den größten Teil seines monatlichen Einkommens rührt er nicht an, stattdessen spart und investiert er. Nach nur vier Berufsjahren hat der Wirtschaftsingenieur so auch ohne Topmanager-Gehalt schon gut 140.000 Euro auf die hohe Kante gelegt.

Sein Ziel bis zum 40. Geburtstag ist eine halbe Million. Dann würden die Erträge aus seinem Vermögen die Lebenshaltungskosten decken – und er könnte theoretisch in Rente gehen. Oder müsste zumindest nicht mehr für Geld arbeiten.

60 Prozent wandern auf die hohe Kante

Wagners Vorbild ist „Mr. Money Mustache“, der in den USA lebende kanadische Blogger Peter Adeney. Der ehemalige Software-Ingenieur gilt als geistiger Urheber des Frugalismus, in den USA besser bekannt unter dem Namen FIRE (Financial Independence, Retire Early = finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand).

Populär wurde die Bewegung im Zuge der Finanzkrise von 2007 und hat mittlerweile Tausende von Anhängern in vielen westlichen Ländern. Ihre Philosophie: Konsumverzicht üben und sich durch einen frugalen, also bescheidenen, Lebensstil früh finanziell unabhängig machen. Adeney selbst legte über Jahre hinweg bis zu 80 Prozent seines Gehalts zurück, lebte zusammen mit Frau und Sohn von 25.000 Dollar jährlich – und verabschiedete sich mit 30 in den Ruhestand.

Weit vor seinem 67. Lebensjahr den Hut nehmen zu können, ist auch für Florian Wagner eine verlockende Aussicht. Damit das funktioniert, lebt Wagner auf kleinem Fuß, weit unter seinen finanziellen Möglichkeiten und mit einer Sparquote von derzeit rund 60 Prozent. Zum Vergleich: 2017 wurden in deutschen Privathaushalten 9,9 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Vorsorge genutzt. Laut des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wäre das Vermögen deutscher Haushalte im Mittel nach knapp zwei Jahren aufgebraucht.

Konsum ist kein Glücksbringer

Das Vorurteil, Frugalisten seien geizige Sparfüchse, die sich alles verwehren, lässt Wagner nicht gelten. „Ich spare ja nicht, um später einmal wie Dagobert Duck im Geld zu schwimmen“, stellt er klar. Mit dem, was er ausgebe, führe er einfach ein gutes Leben. Er wohnt mit seiner Freundin noch immer auf 55 Quadratmeter, fährt einen gebrauchten Kleinwagen, erkundet ein Urlaubsziel lieber auf eigene Faust, statt mit dem teuren Touri-Bus, kocht lieber zu Hause mit Freunden, statt drei Mal pro Woche ins Restaurant zu gehen. „Konsum allein macht mich langfristig einfach nicht glücklich.“

Natürlich, sagt Wagner, müsse man sich Frugalismus auch leisten können. Voraussetzung für die „Frührente“ aus freien Stücken: ein regelmäßiges Gehalt über der Existenzsicherung. „Trotzdem kann man auch mit niedrigerem Einkommen Vermögen aufbauen – vielleicht nicht so schnell, aber es geht, wenn man zeitig anfängt.“

Wie wird man Frugalist?

Laut Wagner beginnt es mit drei einfachen Schritten. Erstens: Sich einen Überblick über die Ausgaben verschaffen. Jeder wisse, wie viel Miete er zahle. Aber nur wenige hätten eine Ahnung, welche Summen für Essen, Kleidung, Freizeit und die „Kleinigkeiten“ des Alltags draufgehen. Zwei Monate lang einmal alles penibel zu notieren könne helfen, seine Kosten zu ermitteln und Sparpotenziale zu erkennen.

Was zu zweitens führt: Sein Konsumverhalten hinterfragen. Muss es einmal im Jahr das neue  Smartphone sein? Einmal pro Monat die Online-Shopping-Tour? Tagtäglich der Coffee to go? Und ist Rauchen nicht vielleicht doch zu teuer?

Spielt Wagner mit dem Gedanken, sich etwas Neues anzuschaffen – und sei es nur ein Haushaltsgerät – gibt er sich eine Frist von 30 Tagen. Nur wenn er es nach einem Monat noch immer sinnvoll findet, wird gekauft. Es gehe nicht darum, sich nichts zu gönnen. „Es geht darum, kein Geld zu verschwenden.“ Bleibt nach dem Kassensturz etwas übrig, geht es an drittens: Den Überschuss anlegen und nicht auf dem Konto versauern lassen.

Und wie stellt sich Wagner die Zeit als junger „Rentner“ vor? Auf keinen Fall faul in der Hängematte. Stattdessen will er eigene Projekte verwirklichen, nur noch Teilzeit arbeiten oder einen Job annehmen, der spannend, aber nicht so gut bezahlt ist. „Mir geht es vor allem darum, irgendwann die Wahlfreiheit zu haben. Ohne wirtschaftlichen Zwang das zu tun, was ich will.“

 

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