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Internet-Jobbörse für Senioren

„Rentner wollen nicht zu Hause versauern“

Portal-Gründer Lutz Nocinski weiß genau, welche Motive Rentner antreiben.

Foto von Lutz Nocinski
Lutz Nocinski, 49, gründete 2012 zusammen mit einem Journalisten das Portal Rent a Rentner.

Herr Nocinski, wie kommt man auf die Idee, ein Vermittlungsportal für arbeitswillige Rentner zu gründen – gerade wenn für einen selbst der Ruhestand noch weit weg ist?
Lutz Nocinski: Als mein Vater 2011 in Rente gegangen ist, hat er einfach in Teilzeit weitergearbeitet. Zudem hat mir mein Vater schon immer bei handwerklichen Dingen ausgeholfen. Er ist gelernter Tischler, ich dagegen habe zwei linke Hände. Da bin ich auf die Idee gekommen: Warum nicht ein Portal gründen, über das sich jüngere Menschen Rat oder Hilfe von Älteren holen können – und umgekehrt Rentner, die noch arbeiten wollen, ihr Know-how anderen zur Verfügung stellen?

Wie funktioniert ihr Portal genau?
Nocinski: Rentner können sich kostenlos anmelden und ihre Dienste anbieten. Menschen, die einen Job zu vergeben haben, finden so in ihrer Nähe einen Rentner, der ihn erledigt. Umgekehrt bieten aber auch Firmen oder Privatleute Arbeiten gezielt für Ältere an. Wir hatten zum Beispiel bereits Start-ups, die über Rent a Rentner einen Tutor gesucht haben. Wir vermitteln immer nur den Kontakt, die Details machen die Personen unter sich aus.

Ein Griff in die Vorurteilskiste: Rentner und Internet, das klingt nicht wie ein Traumpaar…
Nocinski: Vor zehn Jahren hätte ich diesem Vorurteil vielleicht noch zugestimmt. Die Idee von Rent a Rentner hatte ein älterer Herr aus Stralsund bereits um die Jahrtausendwende. Die Rentner damals waren aber noch nicht internetaffin genug. Doch wer heute in Rente geht, hat meistens Computerkenntnisse. Und Rent a Rentner bietet genau das, was Ältere am Internet schätzen: in Kontakt mit anderen zu bleiben, sich zu vernetzen.

Wie viele Ältere nutzen ihr Portal?
Nocinski: Es ist eine fünfstellige Zahl. Insgesamt bieten die Mitglieder unseres Portals 60.000 verschiedene Tätigkeiten an, wobei natürlich die meisten mehrere Jobs machen können. Insgesamt kommen die Mitglieder von Rent a Rentner auf rund 800.000 Jahre Berufserfahrung. Ich fände es bedauerlich, wenn diese Erfahrung, dieses Wissen, mit dem Eintritt in das Rentenalter für die Gesellschaft einfach so verloren ginge.

„Vielen geht es gar nicht so sehr um das Geldverdienen, sondern um Wertschätzung, um Kontakte.“

Was reizt die Rentner noch an der Arbeit? Ist es das Geld?
Nocinski: Vielen geht es gar nicht so sehr um das Geldverdienen, sondern um Wertschätzung, um Kontakte. Wenn der Job erledigt ist, trinkt man zum Beispiel zusammen noch einen Kaffee, unterhält sich ein bisschen. Viele Rentner wollen nicht einfach zu Hause versauern und das jahrelang gelernte Wissen nicht verlieren und weiter trainieren. Gerade Männer verfallen beim Eintritt in die Rente überproportional häufig in Depressionen. Wenn die Menschen aber das Gefühl haben, weiterhin gebraucht und wertgeschätzt zu werden, ist das eine echte Bereicherung. Das Geld ist dann oft nur Nebensache.

Was sind denn die häufigsten Jobs, die Ältere übernehmen?
Nocinski: Nach meinem Eindruck würde ich sagen, es sind viele soziale Tätigkeiten: Beibringen und Unterstützen, Betreuen und Begleiten. Kinder hüten, Nachhilfe geben, aber auch viele Aufgaben im handwerklichen Bereich und im Bereich Beraten, Verwalten, Managen für Unternehmen, zum Beispiel vertriebliche Aufgaben. Auch Gartenarbeit ist beliebt. Ein Rentner macht zum Beispiel die Gartenarbeit für die Mutter eines anderen Rentners. Normalerweise sind es aber eher die Jüngeren, die sich Unterstützung von Älteren im Garten suchen. Und Studenten suchen ja öfter Lektoren.

Und was kommt eher selten vor?
Nocinski: Das ist ganz unterschiedlich. Jemand hat zum Beispiel mal Hilfe für das Abtippen von Postkarten gesucht. Er hatte einen ganzen Karton voll Soldaten-Post aus dem ersten Weltkrieg gefunden und wollte diese digitalisieren – aber die Sütterlin-Schrift ist ja nicht ganz einfach lesbar. Auf die Anzeige haben dann viele Rentner reagiert und ihre Hilfe angeboten. Der Fall zeigt exemplarisch, wie jüngere Generationen von den Fertigkeiten und Kenntnissen der Älteren profitieren können.

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