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Private Altersvorsorge

„Niemand kann wissen, wie lange sein Geld reichen muss“

Wegen des längeren Ruhestands müssen Menschen mehr Geld ansparen, sagt Finanzwissenschaftler Jochen Ruß. Und sicherstellen, dass es bis zum Lebensende reicht.

Jochen Russ, Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften
Jochen Ruß ist Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm.

Herr Ruß, die Lebenserwartung steigt unaufhörlich, im Schnitt der vergangenen Jahrzehnte um sechs Stunden pro Tag. Welche Konsequenzen hat dies für die private Altersvorsorge?
Ruß:
Vereinfacht gesagt bedeutet ein längeres Leben, dass man auch länger im Ruhestand ist und deswegen mehr Geld braucht. Und es wird immer schwieriger zu planen: Wie lange muss das Geld reichen: bis 75, 85 – oder gar weit über den 100. Geburtstag? Der medizinische Fortschritt führt nun mal dazu, dass die über Hundertjährigen eine der am schnellsten wachsenden Gruppen in unserer Bevölkerung darstellen.

Hilft es bei der Finanzplanung, sich an der eigenen Lebenserwartung zu orientieren?
Ruß:
Sie taugt nur bedingt zur Orientierung. Die Lebenserwartung beschreibt den Normalfall, also einen statistischen Durchschnittswert über sehr viele Menschen. Wenn Sie 100.000 60-jährige Männer haben, dann werden die laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 87,5 Jahre alt. Aber für den Einzelnen sagt das eben nichts aus. Er kann Pech haben und schon mit 75 Jahren sterben, er kann aber auch Glück haben und 95 oder älter werden.

Wie groß ist denn die Wahrscheinlichkeit, länger zu leben als der Durchschnitt?
Ruß: Bleiben wir bei dem 60-jährigen Mann: Seine Chance, 90 Jahre alt zu werden, liegt immerhin bei rund 48 Prozent. Und mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 20 Prozent feiert er gar seinen 95. Geburtstag. Er kann also schlichtweg nicht wissen, wie lange sein Geld reichen muss. Richtet er seine finanzielle Ruhestandsplanung ausschließlich an der Lebenserwartung aus, dann kann das mit großer Wahrscheinlichkeit schiefgehen.

„Jeder Mensch, der lebenslange Ausgaben hat, braucht ein lebenslanges Einkommen.“

Was ist nun die Konsequenz daraus?
Ruß:
Jeder Mensch, der lebenslange Ausgaben hat, braucht ein lebenslanges Einkommen. Es geht dabei nicht um das Geld für irgendwelchen Luxus, sondern um die Sicherung des Lebensstandards im Alter. Wenn die gesetzliche Rente nicht ausreicht, um den Lebensstandard zu erhalten, dann sollte man sich das Geld, das man hierfür gespart hat, in Form eines lebenslangen Einkommens auszahlen lassen.

Und wie stellt man das an?
Ruß: Eine Möglichkeit ist eine Rentenversicherung. Das ist, wie der Name schon sagt, eine Versicherung – und zwar gegen das Risiko, länger zu leben, als das Geld reicht. Sie zahlt jeden Monat bis zum Tod den vereinbarten Betrag – egal ob man nur 70 oder über 100 Jahre alt wird. Welche Variante –  also eine Riester-, Rürup-, Betriebs- oder Privatrente – am sinnvollsten ist, hängt natürlich von der individuellen Situation ab.

Aber lohnt sich eine Rentenversicherung für jeden? Wer früh stirbt, macht doch ein schlechtes Geschäft, oder?
Ruß: „Lohnen“, „Geschäft machen“ – das sind Begriffe aus der Kapitalanlage. Eine Rentenversicherung ist aber nicht in erster Linie ein Investment, sondern eine Versicherung gegen das Risiko, länger zu leben, als das Geld reicht. Und dieses Risiko ist für einen einzelnen Menschen nicht beherrschbar, in der Gruppe aller Versicherten aber schon. Jeder bekommt ein Einkommen, garantiert bis zum Tod.

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