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Exklusiver Langzeitvergleich

Berliner haben seit 1982 am meisten Lebenszeit gewonnen

Hauptstädter leben fast neun Jahre länger als vor gut 35 Jahren. Generell hat der Osten seitdem am stärksten zugelegt. Am ältesten werden aber unverändert die Menschen in Baden-Württemberg.

Der Berliner Fernsehturm in der Abendsonne
In Berlin lässt es sich gut leben. Und das auch immer länger.

Die Lebenserwartung bei Geburt ist in Deutschland seit Anfang der 1980er-Jahre nirgendwo so stark gestiegen wie in Berlin. Dort lag sie 2015 bei 80,5 Jahren – und damit 8,6 Jahre höher als 1982. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) exklusiv für die Initiative „7 Jahre länger“. Die Daten erlauben es erstmals, die Entwicklung der Lebenserwartung für alle Bundesländer bis in die Zeit vor der Wiedervereinigung zurückzuverfolgen.

Den größten Zugewinn an Lebenszeit gab es demnach generell im Osten. Hinter Berlin rangieren mit Brandenburg (+8,5 Jahre), Mecklenburg-Vorpommern (+8,2 Jahre) und Thüringen (+7,7 Jahre) ausschließlich neue Bundesländer. Dahinter folgen Sachsen und mit Hamburg das erste westdeutsche Bundesland – mit einem Plus von jeweils 7,5 Jahren. Den geringsten Zuwachs verzeichnet Bremen: Die Lebenserwartung bei Geburt lag dort 2015 „nur“ 5,9 Jahre über der von 1982.

Baden-Württemberg verteidigt Spitzenposition

Stark gestiegen ist die Lebenserwartung im Osten vor allem ab 1990. „Ein wesentlicher Faktor war dabei die Verbesserung der medizinischen Versorgung nach der Wiedervereinigung“, sagt Sebastian Klüsener, Wissenschaftler am MPIDR. Auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle. „Durch den Rückgang von Industrieabgasen hat sich in vielen Gebieten Ostdeutschlands die Luftqualität spürbar verbessert“, so Klüsener.

Die Spitzenreiter in puncto Lebenserwartung liegen aber unverändert im Westen. Nirgendwo werden die Menschen älter als in Baden-Württemberg (81,8 Jahre). Dahinter folgen Bayern mit 81,3 Jahren und Hessen mit 81 Jahren. Während diese Länder ihre Spitzenpositionen über die Jahrzehnte verteidigt haben, sind andere Regionen im Westen in der Rangliste zurückgefallen. Das gilt beispielsweise für Schleswig-Holstein, Niedersachen oder Bremen.

Klares Ost-West-Gefälle ist verschwunden

Damit hat sich das einstige Ost-West-Gefälle ein wenig aufgelöst. Schlusslichter sind heute neben Sachsen-Anhalt (79,2 Jahre) das Saarland, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit einer Lebenserwartung bei Geburt von jeweils 79,8 Jahren. Demograf Klüsener führt die aktuellen Unterschiede vor allem auf die ungleiche wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zurück. „Wirtschaftsstarke Regionen wie Baden-Württemberg locken beispielsweise viele Akademiker an, die durchschnittlich gesünder sind als andere Teile der Bevölkerung.“ Daneben spielen heute auch regionale Unterschiede bei den Lebensstilen wie etwa dem Rauch- oder Trinkverhalten eine wichtige Rolle.

Gleichwohl hat das Gefälle in der Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland seit 1982 etwas abgenommen. Trennten damals den Spitzenreiter Baden-Württemberg und Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern noch 3,4 Jahre, so liegt die maximale Differenz heute bei 2,5 Jahren.

Werte des MPIDR basieren auf selbst entwickelter Datenbank

Die Lebenserwartung in den Bundesländern hat das MPIDR auf Basis der Human Mortality Database berechnet – ein Gemeinschaftsprojekt mit der University of California in Berkeley. Die Daten zeigen für jedes Alter die Lebenserwartung auf, wenn die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse über die nächsten Jahrzehnte konstant bleiben würden. Es handelt sich also um eine Moment­aufnahme der heutigen Sterblichkeitsverhältnisse.

Wie hoch die Lebenserwartung für Menschen bestimmter Geburtsjahrgänge ist, zeigen die sogenannten Generationen- oder Kohortensterbetafeln. Berechnungen mit derartigen Sterbetafeln, welche aktuelle Trends in der Verbesserung der medizinischen Versorgung miteinbeziehen, prognostizieren besonders bei jüngeren Altersgruppen deutlich höhere Lebenserwartungen.


Hinweis:

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) betreibt von öffentlicher Hand finanzierte Grundlagenforschung. Im Einzelfall wird das MPIDR als externer Sachverständiger tätig. Für die exklusive Erstverwertung von Daten zur Entwicklung der regionalen Lebenserwartung in Deutschland von 1982 bis 2015 und des Einflusses von Alkoholkonsum und Rauchverhalten auf die Sterblichkeit in Ost- und Westdeutschland zwischen 1980 und 2014 hat das MPIDR vom GDV eine Aufwandsentschädigung von 30.000 Euro erhalten. Das MPIDR hat die Berechnungen vom GDV inhaltlich unbeeinflusst ausgeführt. Die Berechnungen haben kein formales Begutachtungsverfahren durchlaufen, und sind daher nicht als wissenschaftliche Studie zu betrachten.

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