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So altert Deutschland besser

Der demografische Wandel lässt sich meistern durch lebenslanges Lernen, flexiblere Erwerbsbiografien sowie einem neuen Blick auf das Altern. Das geht aus einem Bericht von renommierten Wissenschaftlern hervor, den das NetzwerkPopulation Europegemeinsam mit der Initiative „7 Jahre längerveröffentlicht hat

Großeltern, Eltern und drei Kinder liegen sternförmig mit den Köpfen zueinander auf einer Wiese.
Der demografische Wandel wird auch das gesellschaftliche Zusamenleben verändern.

Es sind eigentlich sehr gute Nachrichten: Wir werden immer älter, können uns auf mehr gesunde Jahre freuen und selbst die Auswirkungen der alternden Bevölkerung lassen sich in den Griff bekommen. Dazu müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft jedoch schnell die richtigen Weichen stellen – ansonsten überrollt beispielsweise die geburtenstarke Generation der Baby-Boomer die sozialen Systeme. Die Folgen: Jeder bekommt hierzulande die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels zu spüren.

Das geht aus den Beiträgen von elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hervor, die von der Initiative „7 Jahre länger“ initiiert und von dem internationalen Forschungsnetzwerk „Population Europe“ als sogenanntes Grünbuch veröffentlicht wurden. Schon der Titel zeigt, wie umfassend die Forscher die Herausforderungen des demografischen Wandels untersucht haben: „Alternde Gesellschaft – Wie das ’neue Altern‘ unser Leben verändern wird.“ Die Flexibilisierung des Berufslebens, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Frage gesellschaftlicher Teilhabe aller Generationen sind nur einige Facetten ihrer Lösungsansätze.

Bildung ist das A und O

Trotz zahlreicher unterschiedlicher Perspektiven sind sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einig: Am Ende überwiegen die Chancen des demografischen Wandels. Aber natürlich nur, wenn diese auch genutzt werden. So erkennen die Herausgeber des Grünbuchs, der Direktor der Max-Planck Gesellschaft James W. Vaupel und Andreas Edel von Population Europe, beispielsweise das „große Potenzial gut ausgebildeter Frauen“, die nach der Kinderpause bisher oftmals nicht in den Arbeitsmarkt zurückkehren als ein wichtiges Handlungsfeld. Zudem heben die Herausgeber die Potenziale von Älteren hervor, „die in den Zwangsruhestand geschickt werden“, obwohl sie „körperlich und geistig noch fit genug wären, um entweder in ihrer bisherigen Verwendung oder in anderer Form auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu sein.“

„Die Autoren des Grünbuchs weisen uns darauf hin, dass Bildung das A und O in der Alternden Gesellschaft ist“, sagt Herausgeber Edel. „Investitionen ins Bildungswesen und in Weiterbildung können demnach eigentlich gar nicht hoch genug sein“, so Edel. Der internationale Vergleich zeigt allerdings: Hier gibt es in Deutschland Nachholbedarf.

Wer mehr lernt, lebt länger

Die Forscher geben in ihren Beiträgen auch konkrete Empfehlungen, wie den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnet werden kann. So fordert Ursula Staudinger, Direktorin des Robert N. Butler Columbia Aging Centers an der New Yorker Columbia Universität, einen runden Tisch aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Regierung. Eine „Neubestimmung von Arbeit und Arbeitsverläufen im 21. Jahrhundert“ sei notwendig, um produktives Arbeiten in einem längeren Leben zu ermöglichen. Die angesehene Psychologie-Professorin schreibt: „Der Schlüssel dazu ist Bildung, etwa in Form von Weiterbildung.“ Umgekehrt wirkt sich dies positiv auf die Menschen aus: „Wer mehr lernt, lebt länger und gesünder!“, so Staudinger.

Übereinstimmend erklären die Wissenschaftler im Grünbuch, dass tradierte Altersgrenzen in Zeiten höherer Lebenserwartung zunehmend veraltet sind. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege, dass Ältere im Berufsleben weniger produktiv seien als jüngere.

Fast drei gesunde Lebensjahre mehr

Eine besonders gute Nachricht hält der Autor Roland Rau vom Max Planck Institute for Demographic Research bereit. Seine im Grünbuch erstmals veröffentlichten Berechnungen zeigen: Die Deutschen verbringen einen immer größeren Teil ihres Lebens bei guter Gesundheit. Zwischen 2005 und 2013 haben demnach 65-jährige Frauen weitere 2,8 gesunde Lebensjahre hinzugewonnen. Ihre verbleibende Lebenserwartung stieg in der Zeit aber „nur“ um 0,6 Jahre. Die Deutschen altern also besser. Und wie die wissenschaftlichen Beiträge nahelegen, könnte auch das gesamte Land mit den richtigen Maßnahmen besser altern. Dazu leisten die Wissenschaftler mit dem Grünbuch einen Beitrag.

Das komplette Grünbuch können Sie hier herunterladen:

 Grünbuch „Alternde Gesellschaft – Wie das „neue Altern“ unser Leben verändern wird“

Pressemitteilung: Forscher: Bildung gerade im Alter das A und O