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Body-Mass-Index

Gibt es ein Idealgewicht für ein langes Leben?

Übergewicht oder Fettleibigkeit können die Lebenszeit stark verkürzen. Doch ab welchem Body-Mass-Index wird es gefährlich? Die Antwort dürfte viele beruhigen.

Nicht auf den BMI kommt es - die Körperzusammensetzung ist entscheidend. (Foto: Getty Images / Punnarong)
Nicht auf den BMI allein kommt es an – die Verteilung des Fetts ist auch entscheidend. (Foto: Getty Images / Punnarong)

Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs: Übergewicht hat fiese Nebenwirkungen. Nicht umsonst stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) starkes Übergewicht – auch Fettleibigkeit oder Adipositas genannt – als eigenständige Krankheit ein. Sie stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und kann die Lebenserwartung deutlich verkürzen.

Fast jeder fünfte Deutsche sollte sich daher Gedanken machen. Denn so viele kommen auf einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder mehr – und gelten nach allgemeiner Definition als adipös oder fettleibig. Weitere 36 Prozent haben einen BMI, der zwischen 25 und 30 liegt, und sind damit übergewichtig. Sind auch sie schon eine Risikogruppe? Und welcher BMI-Wert wäre für ein langes Leben überhaupt ideal?

Es gibt nicht den optimalen BMI

Auf eine Zahl lässt sich die Antwort nicht reduzieren. „Das Problem aus meiner Sicht ist, dass der Risikofaktor Gewicht massiv überschätzt wird“, sagt Ingrid Mühlhauser, Gesundheitswissenschaftlerin von der Universität Hamburg. Extreme wie starkes Über- oder Untergewicht seien zweifellos Risikofaktoren. „Aber in dem sehr weitem Bereich des sogenannten Normalgewichts und des Übergewichts bis hin zu Adipositas Grad 1 ist der Body-Mass-Index wahrscheinlich ein unbedeutender Risikomarker für die Lebenserwartung“, so Mühlhauser.

Ohnehin sind feste Schwellenwerte zur Beurteilung des Gesundheitsrisikos umstritten. Dafür hat auch die WHO mit gesorgt. Bis Ende der 1990er-Jahre galt ein BMI bis 27 noch als akzeptabel. Dann senkte die WHO die Obergrenze für Normalgewicht auf 24,9. Millionen Menschen wurden quasi über Nacht übergewichtig.

Lage der Fettpolster spielt auch eine Rolle

Das Körpergewicht allein ist als Indikator für die Lebenserwartung auch eher ungeeignet. „Zusätzlich zum Gewicht beziehungsweise dem BMI ist auch die Fettverteilung – also die Körperzusammensetzung – von Bedeutung“, sagt Susanne Illini vom Bundeszentrum für Ernährung. Das Risiko für eine Diabetes oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung steigt, wenn sich die Fettzellen rund um die Bauchorgane ablegen. Die Zellen im Bauchfett sind stoffwechselaktiv und setzen zahlreiche Botenstoffe frei, die sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken und die Freisetzung des Hormons Insulin beeinflussen können.

Ein Messband, angelegt zwischen unterster Rippe und dem Kamm des Hüftknochens, kann weitere Informationen liefern: „Mithilfe des sogenannten Taillenumfangs kann eine Aussage zum Erkrankungsrisiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Komplikationen gemacht werden“, so Illini. Bei Frauen liegt ein erhöhtes Risiko bei einem Wert zwischen 80 und 88 Zentimeter vor. Bei Männern reicht die Spanne von 94 bis 102 Zentimeter. Werte darüber bedeuten ein deutlich erhöhtes Risiko.

Je älter, desto höher der BMI

Studien deuten darauf hin, dass ein Body-Mass-Index bis 30 niemanden in Panik versetzen muss. Im Gegenteil: Ein höheres Gewicht – verbunden mit guter medizinischer Vorsorge und einem gesunden Lebensstil – könnte ein langes Leben sogar begünstigen, wie dänische Forscher herausfanden. Mühlhauser teilt die These: „Erwachsene mit einem BMI um die 27 haben die beste Lebenserwartung.“ Ihre Erklärung: „Wenn Menschen beispielsweise an chronischen Krankheiten leiden, die über Jahre hinweg am Körper zehren, dann ist es besser, wenn Reserven, also Hüftgold oder ein Rettungsring, vorhanden sind.“

Und mit zunehmendem Alter bringen die Menschen sowieso meist mehr Kilos auf die Waage. Denn die Muskelmasse nimmt mit den Jahren ab, dafür steigt der Fettanteil im Körper. Ältere Menschen verbrennen weniger Kalorien als jüngere, ihre Essgewohnheiten bleiben jedoch oft gleich. Ein BMI-Wert im Übergewichtsbereich von 25 bis 30 sei im Alter aber meist unproblematisch, meint auch Illini vom Bundeszentrum für Ernährung. „Große Studien zeigen, dass übergewichtige Senioren im Vergleich zu normalgewichtigen Senioren sogar eine niedrige Sterbewahrscheinlichkeit aufweisen.“

Mit 60 oder 70 lässt sich über das ein oder andere Kilo mehr also locker hinwegsehen. Wie praktisch, dass sich die Gelassenheit mit dem Alter ohnehin entwickelt.

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