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Mehrgenerationenhäuser

„Die Seniorin hilft bei den Hausaufgaben“

Der Bund finanziert den Aufbau von Begegnungszentren für Jung und Alt. Wer wie davon profitiert, erklärt Projektleiter Matthias von Schwanenflügel.

Ein Portraitfoto von Matthias von Schwanenflügel
Matthias von Schwanenflügel leitet im Bundesfamilienministerium das Programm für Mehrgenerationenhäuser.

Herr von Schwanenflügel, der Bund unterstützt Mehrgenerationenhäuser seit einigen Jahren finanziell. Was genau steckt dahinter?
Schwanenflügel: Mehrgenerationenhäuser sind Begegnungsorte, wo Kinder, Jugendliche, Eltern oder Senioren aus einem Dorf, Stadtteil oder Kiez zusammenkommen, sich austauschen und voneinander lernen. Wir wollen damit das nachbarschaftliche Miteinander stärken und den Wissensaustausch zwischen Jung und Alt fördern. Das heißt zum Beispiel: Der Teenager zeigt dem 80-Jährigen, wie das Internet funktioniert. Und die Seniorin hilft den Schülern bei den Hausaufgaben.

Wie sieht das Miteinander in den Häusern konkret aus?
Schwanenflügel: Der Kern jedes Hauses ist der Offene Treff, eine Art Caféstube oder öffentliches Wohnzimmer, in dem Kontakte geknüpft und Kompetenzen weitergegeben werden. Durchschnittlich hat jedes Haus darüber hinaus 17 Angebote mit „Mehrgenerationen-Begegnungen“ im Programm. Das können Aktivitäts- und Sportkreise oder Sprachkurse für Jung und Alt sein. In manchen Häusern gibt es sogar Werkstätten, in denen Senioren zusammen mit Jugendlichen Fahrräder reparieren. Im Mehrgenerationenhaus Lutherstadt Wittenberg wurde 2017 beispielsweise ein gemeinsames Theaterstück mit Menschen im Alter von 6 bis 72 Jahren und sechs Nationalitäten zum Thema des Miteinanders geprobt und mit dem hierfür gegründeten Chor uraufgeführt – mit Erfolg.

Was bieten die Häuser den verschiedenen Altersgruppen?
Schwanenflügel: Bundesweit umfassen die Häuser mehr als 12.000 Angebote. Sie decken die Bedürfnisse von Kleinkindern genauso ab wie die von Senioren. Die Programme orientieren sich am jeweiligen Bedarf vor Ort und sind daher so vielfältig wie die Menschen, die die Häuser besuchen. Die Angebote eigens für Kinder und Jugendliche reichen von Spiel- und Kreativnachmittagen bis hin zur Hausaufgabenbetreuung. Für Menschen mittleren Alters bieten einige Einrichtungen beispielsweise Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Pflege und Familie. Und auch für Eltern ist das Mehrgenerationenhaus eine Anlaufstelle für Beratung und Austausch.

„Wir sehen großes Potenzial bei den ‚jüngeren Alten'“

Und wie sieht es mit den Älteren aus?
Schwanenflügel: Auch sie finden viele interessante Sachen. Das können Gesprächskreise oder wöchentliche Spazier- oder Radfahrgruppen sein, aber auch Förderkurse für ältere Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten. Manche Häuser sind zugleich Pflegestützpunkte, die Bedürftige und deren Angehörige unterstützen. Es gibt sogar Mehrgenerationenhäuser, in denen Menschen mit Demenz von Jüngeren betreut werden. Zum Teil gibt es auch Kooperationen mit Schulklassen, die sich mit dem Krankheitsbild auseinandersetzen und dafür sensibilisiert werden.

Deutschland steckt im demografischen Wandel: Die Menschen werden immer älter. Was bedeutet diese Entwicklung für die Mehrgenerationenhäuser?
Schwanenflügel: Sie ist eine große Chance. Zwar werden die Menschen immer älter, sie bleiben aber auch länger fit. Großes Potenzial sehen wir bei den „jüngeren Alten“. Damit meine ich jene Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen und immer noch fit und aktiv sind. Für diese Personen kann ein Mehrgenerationenhaus ein idealer Anlaufpunkt sein, um ihrem Leben eine neue Aufgabe zu geben – und die neu gewonnene Zeit sinnvoll zu gestalten. Dort können sie ihre wertvollen Kompetenzen und Fertigkeiten einbringen und Erfahrungen weitergeben. Das aktiviert und hält geistig fit.

Was können wir von den Mehrgenerationenhäusern über das Miteinander von Jung und Alt in der Gesellschaft lernen?
Schwanenflügel: Sie zeigen, wie wichtig der generationenübergreifende Dialog ist. Man darf das Mehrgenerationenhaus daher auch nicht als isolierte Institution betrachten. Die Einrichtungen befinden sich inmitten der Gesellschaft und leben vom Engagement der Menschen. Wünschenswert ist, dass dieser Spirit sich weiterträgt und die Potenziale aller Generationen in allen Lebens- und Arbeitsbereichen genutzt werden.

 

Bundesprogramm „Mehrgenerationenhaus“

Im Jahr 2006 startete das Bundesfamilienministerium sein Engagement zur Unterstützung der Kommunen bei der Entwicklung generationenübergreifender Ansätze – Jüngere helfen hier Älteren und umgekehrt – durch den Aufbau von Mehrgenerationenhäusern. Am 1. Januar 2017 startete die dritte Modellphase mit dem Namen „Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus“. Bundesweit sind aktuell rund 540 Häuser Teil des Programms.

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