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Psychologie

7 Charakterstärken, die das Leben verlängern

Psychologen haben Charakterstärken identifiziert, die nachweislich unsere Gesundheit fördern. Die gute Nachricht: Man kann sie trainieren. Dafür braucht es aber einige Tricks.

Eine Frau mit Fernglas schaut in die Ferne.
Neugier und Weitsicht verlängern das Leben. Genau wie fünf weitere Charaktereigenschaften.

Im Gegensatz zur regulären Psychologie forscht die positive Psychologie nach unseren Stärken. Welche Charaktereigenschaften helfen uns? Was machen diese Eigenschaften aus? Und vor allem: welche Wirkung haben sie auf unser Leben? Wissenschaftler der positiven Psychologie haben 24 Charakterstärken herausgefiltert. Sieben davon verlängern sogar das Leben:

1. Neugier

Kinder stellen bis zu 400 Fragen am Tag. Wer sich auch als Erwachsener eine große Portion Neugier bewahrt, gibt seinem Leben Sinn und Ziele. Sich mit einem neuen Thema beschäftigen, auf Reisen gehen, eine Sportart ausprobieren: Wissensdurst fordert uns geistig und körperlich, macht gesellig und glücklich. Neugier ist ein täglicher Motivator und Gegner von Langweile und Einsamkeit. Und sie verlängert das Leben. Ratten, die ein wissbegieriges Gemüt an den Tag legen, besitzen eine um 25 Prozent höhere Lebenserwartung als ihre desinteressierten Artgenossen. Eine Langzeitstudie mit Menschen zwischen 60 und 86 Jahren ergab: Neugierige Probanden lebten wesentlich länger – und das unabhängig von Risikofaktoren wie Herzkrankheiten. Selbst auf die Entstehung von Alzheimer hat die Neugierde Einfluss. US-amerikanische Psychologen konnten belegen, dass sie die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, senkt. Denn packt uns die Neugier, werden wichtige Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet.

Trainingstipps: Tippen Sie im Verzeichnis der Volkshochschule blind auf einen Kurs und besuchen Sie ihn. Lassen Sie eine Woche den Fernseher aus. Stille und Langeweile triggern die Neugier.

2. Weitsicht

Menschen mit Weitsicht denken nicht nur an das Hier und Jetzt, sondern fragen sich auch: Welche Auswirkungen hat mein heutiges Handeln auf die Zukunft? Sie pflegen Freundschaften und beugen so der Einsamkeit im Alter vor. Um auch später fit zu sein, treiben sie Sport und ernähren sich gesund. Sie bilden sich weiter und lernen ein Leben lang, um beruflich aufzusteigen und geistig munter zu bleiben. Und sie planen ihren Ruhestand nicht erst am letzten Arbeitstag.

Zahlreiche Studien belegen, dass viele Schieflagen im Alter vermeidbar sind, wenn man gewisse Dinge schon frühzeitig anpackt. Wer bereits als junger Mensch mit dem Rauchen anfängt, vergibt unter Umständen 20 Lebensjahre. Menschen, die lange Jahre übergewichtig sind, vervierfachen ihr Risiko auf eine Typ 2-Diabetes. Wer sich dagegen kontinuierlich geistig fordert, kann den Beginn einer Demenz um bis zu sieben Jahre hinauszögern.

Trainingstipp: Nutzen Sie die Szenario-Technik und legen Sie eine Liste mit drei Spalten an. Spalte 1: Was sind die Dinge, die Sie sich fürs Alter wünschen? Wie wollen Sie leben? Spalte 2: Was können Sie schon heute tun, um diese Vorstellungen zu verwirklichen? Spalte 3: Wie könnte ihre Zukunft im Extremfall aussehen, wenn Sie nichts tun?

3. Lebenskraft und Enthusiasmus

Wer das Leben liebt, ist vital und zupackend, sprüht vor Energie und kommt mit Stress besser klar. Nicht selten paart sich das mit einem gesunden Lebensstil, mit Kontaktfreudigkeit und einer ausgeglichenen Seele. Der Zusammenhang zwischen Glück, Gesundheit und Lebenserwartung ist vielfach belegt. In einer Langzeitstudie am University College London wollten die Forscher wissen, ob die Teilnehmer Freude an ihrem täglichen Tun haben und ob sie mit Freude auf ihr Leben zurückblicken. Wer beides mit Ja beantwortete, besaß eine um 24 Prozent reduzierte Sterbewahrscheinlichkeit während der siebenjährigen Studie gegenüber den Probanden, die nicht glücklich mit ihrem Leben waren. Die Universität Heidelberg befragte Hundertjährige nach ihrer Einstellung und fand auch einen Zusammenhang zwischen dem hohen Alter und Lebensfreude: 80 Prozent der Hochaltrigen berichteten, ihr Leben stets in vollen Zügen genossen zu haben.

Trainingstipps: Durchbrechen Sie Ihre Alltagsroutine und tun Sie etwas Unübliches. Abwechslung steigert die Lebensfreude. Senken Sie Ihre Erwartungen. Perfektionismus kommt oft der Lebensfreude in die Quere.

4. Ausdauer

Menschen mit Ausdauer verfolgen diszipliniert ihre Ziele, lassen sich nicht von Hindernissen beirren und besitzen Strategien gegen den inneren Schweinehund. In ihrem Buch „Die Long-Life-Formel“ zeigen die US-Forscher Howard Friedman und Leslie Martin, dass Zielstrebigkeit ein entscheidender Faktor der Lebenserwartung ist. Die Gründe sind vielfältig: Menschen mit Ausdauer leben gesünder und gehen weniger Risiken ein. Sie schlafen besser und haben eine robustere Seele. Ihre Ehen sind oft glücklicher, ihre Arbeitsverhältnisse stabiler. Welche Ziele wir verfolgen – ein Haus bauen oder Klavierspielen lernen – ist dabei egal. Jeder, der beharrlich sei, könne zusätzliche Lebensjahre gewinnen, schreiben Friedman und Martin.

Trainingstipp:  Setzen Sie sich zwei Monate lange pro Woche fünf kleine Ziele, gliedert in Einzelschritte und versehen mit Fristen. Im dritten Monat wagen Sie sich an die Umsetzung größerer Lebensziele.

5. Bindungsfähigkeit und Liebe

Familie, Freunde oder einfach nur nette Nachbarn: Soziale Beziehungen geben uns Sicherheit und Kraft. Sich auf andere Menschen einlassen zu können und innige Verhältnisse zu pflegen, kann dabei sogar überlebenswichtig sein. So berechneten Forscher der Brigham Young University, dass Einsamkeit genauso schädlich ist wie der Konsum von 15 Zigaretten pro Tag – und doppelt so schlecht wie Übergewicht. Wer hingegen gut sozial eingebunden ist, steigert seine Lebenserwartung um satte 50 Prozent.

Trainingstipp: Greifen Sie zum Hörer und lassen Sie eine alte Freundschaft wieder aufleben.

6. Hoffnung

Wer diese Stärke besitzt, blickt positiv in die Zukunft. Auch in schwierigen Situationen verlässt einen nicht der Glaube an eine Wende zum Guten. Hoffnungsvolle Menschen sind aktiver und stressresistenter, werden schneller gesund und kommen besser mit Rückschlägen zurecht. Eine Studie an der University of Illinois ergab, dass ältere Optimisten weitaus seltener an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einem Schlaganfall leiden als ihre pessimistischen Zeitgenossen. Noch eindrücklicher ist die sogenannte Nonnenstudie: Ordensschwestern mit einem sonnigen Gemüt lebten ganze sieben Jahre länger.

Trainingstipp: Schreiben Sie eine Liste mit Dingen, die in letzter Zeit nicht gut gelaufen sind. Finden Sie für jeden Vorfall zwei positive Aspekte.

7. Humor

Humor ist, wenn man trotzdem lacht – schrieb schon im 19. Jahrhundert der deutsche Lyriker Otto Julius Bierbaum. Menschen mit Humor begegnen schwierige Situationen mit Leichtigkeit und Witz; bei Fehlern und Missgeschicken können sie auch mal über sich selbst lachen. Stress verarbeiten sie besser als Miesmuffel oder lassen diesen gar nicht erst aufkommen. Dass Humor auch eine positive Wirkung auf die Lebenserwartung hat, zeigten norwegische Mediziner in einer Studie: Teilnehmer, die nicht immer alles bierernst nahmen, hatten ein geringeres Risiko eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs zu bekommen.

Trainingstipp: Lassen Sie Ihr „inneres Kind“ mehr zum Zug kommen. Bauen Sie im Winter doch mal wieder einen Schneemann oder veranstalten Sie im Sommer eine Wasserschlacht.

 

Wenn Sie testen wollen, welche Charakterstärken Sie besitzen: Die Universität Zürich bietet einen Internet-Test an: hier geht’s zum Test.

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