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Alternsforschung

„Ältere Menschen können das Leben genießen“

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt unvermindert weiter, sagt Alternsforscher Christoph Englert. Zugleich seien die Älteren fitter und gesünder als früher.

Christoph Englert, Leibniz-Institut
Christoph Englert befasst sich am Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut in Jena mit der Frage, wie Gene die Entwicklung und das Altern steuern (Foto: PR).

Herr Englert, die Lebenserwartung in Deutschland ist seit Beginn der Aufzeichnungen vor 150 Jahrzehnten stetig gestiegen. Neugeborene können inzwischen mit gut 90 Jahren rechnen. Geht der Trend weiter?
Christoph Englert: Ja. Derzeit steigt die Lebenserwartung in jedem Jahr um ungefähr ein Viertel. Das heißt: Wer nächstes Jahr geboren wird, lebt statistisch drei Monate länger als in diesem Jahr Geborene.

Was ist noch möglich bei der Lebenszeit? Gibt es eine natürlich Grenze?
Englert: Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt, das gilt aber nicht für die maximale Lebensdauer. Es gibt nach unseren Daten bis heute keinen Menschen auf der Erde, der die 120 signifikant überschritten hätte. Ich glaube, dass wir da an eine natürliche Grenze stoßen. Ewiges Leben ist aus meiner Sicht sowieso eine Illusion.

„Menschen über 60 und selbst jenseits der 70 oder 80 sind in einem viel besseren Zustand, als das vor 50 oder 100 Jahren der Fall war.“

Können wir das Leben im Alter überhaupt genießen?
Englert: Wir beobachten, dass Menschen über 60 und selbst noch jenseits der 70 oder 80 in einem viel besseren Zustand sind, als das vor 50 oder 100 Jahren der Fall war. Das gilt sowohl für die physische als auch psychische Verfassung. Insofern glaube ich schon, dass ältere Menschen das Leben genießen können, weil sie körperlich viel weniger eingeschränkt sind als früher. Das sehen Sie zum Beispiel auch bei Sportveranstaltungen, wo die höheren Altersklassen mehr und mehr vertreten sind.

Dennoch gibt es typische Altersleiden: Was macht Senioren am meisten zu schaffen?
Englert: Das Spektrum der altersassoziierten Krankheiten verändert sich, eben weil die Menschen immer älter werden. Heutzutage sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems Todbringer Nummer eins. Auch Alzheimer oder Demenzerkrankungen generell nehmen stark zu. Es gibt im Vergleich zu vor 100 Jahren ebenfalls mehr Krebserkrankungen.

„Wichtig ist auch, im Alter eine Aufgabe zu haben. So altern wir besser.“

Was können wir tun, um möglichst lange gesund zu leben? Oder entscheiden nur die Gene?
Englert: Die Gene bestimmen sehr stark, wie alt wir werden können. Ob wir dieses Potenzial ausschöpfen, das haben wir wiederum selbst in der Hand. Es gibt ein paar triviale Dinge, die man vermeiden sollte: übermäßiger Alkohol- oder Nikotinkonsum, wenig Sport, viel Sonnenexposition. Wichtig ist daneben auch, im Alter eine Aufgabe zu haben, neugierig zu sein, etwas Neues zu beginnen. So altern wir besser. Besser jedenfalls als wenn wir die Hände in den Schoß legen und warten, dass es vorbei ist.

Warum leben Frauen eigentlich länger als Männer?
Englert: Das ist eine spannende Frage. Bei uns Menschen – wie auch bei manchen Tierspezies – ist der Unterschied ja relativ groß. Frauen leben etwa fünf bis sechs Jahre länger als Männer. Warum das so ist, lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht genau beantworten. Es wird immer gesagt, es läge an den Hormonen. Da bin ich mir nicht völlig sicher.

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