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Individuelle Betreuung im Alter

5 originelle Konzepte für Altersheime

Menschen wollen auch im Alter nach ihren Vorstellungen leben. Seniorenheime berücksichtigen individuelle Lebensstile bislang kaum. Doch langsam nimmt die Vielfalt zu.

Ältere Frau pflegt die Blumen im Garten
Bauernhöfe für Senioren, die sich dort um Pflanzen und Tiere kümmern können, zählen zu den neuen Betreuungskonzepten (Foto: SeventyFour/GettyImages).

Die meisten Deutschen wollen ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen statt in einem Altersheim. Was kaum verwundert. „Man möchte sein bisheriges Leben, seine Autonomie und seine Freiräume behalten“, sagt Doris Schaeffer, Professorin für Pflege- und Gesundheitswissen an der Universität Bielefeld.

In vielen Seniorenheimen scheint das auch gar nicht möglich. Tagesablauf und Freizeitangebote ähneln sich und nehmen auf individuelle Bedürfnisse kaum Rücksicht. Dabei sind Ältere keine homogene Gruppe, es sind ganz unterschiedliche Typen mit eigenen Gewohnheiten und Vorlieben. „Lebensstile und Interessen haben sich sehr stark verändert, sind sehr viel individueller geworden. Wir haben ein anderes Älterwerden, ganz andere Ältere“, sagt Schaeffer. „Im Pflegebereich spiegelt sich dieser Wandel aber bisher kaum wider.“

Doch langsam ändert sich etwas. Der gesellschaftliche Trend zur Individualisierung erfasst auch die Altersheime. Es entstehen Häuser, die sich spezialisieren und in denen Menschen nicht nach dem Zufallsprinzip zusammengewürfelt ihren letzten Lebensabschnitt verbringen. Wir stellen fünf ausgefallene Ideen vor.

 

1. Ruhestand an der Reling

Das Startup Ted Cruises verbindet das Schöne mit dem Nützlichen und baut ein Schiff zu einer schwimmenden Seniorenresidenz um. 250 reiselustige Rentner, die – zugegebenermaßen – auch das nötige Geld haben, finden auf der MS „Lebenstraum“ Platz und schippern bald um die Welt. Im Sommer durch die Gewässer Europas, im Winter Richtung südlichere Gefilde. An Bord gibt es alles, was man von anderen Kreuzfahrten kennt: Restaurants, Bars, Pool, Casino, Fitnessstudio. Dazu aber auch alles für den Fall der Fälle: Barrierefreiheit, eine Krankenstation mit OP-Saal und eine Crew aus Ärzten und Pflegern. Aktuell ist die Passagierliste schon voll. Um die großen Nachfrage zu decken, plant das Unternehmen daher bereits eine Kombination aus betreutem Wohnen und Flusskreuzfahrt.

2. Von Berufs wegen verbunden

Auch der berufliche Background kann für Wohlbefinden und gemeinsamen Gesprächsstoff sorgen. Wie zum Beispiel in Texas, wo es ein Seniorenheim für pensionierte Lehrer gibt. Oder im italienischen Camogli, wo frühere Seeleute zusammen unter einem Dach leben.

In Weimar indes steht Deutschlands einzige Pflegeeinrichtung für ehemalige Bühnenkünstler. Im Marie-Seebach-Stift leben rund 100 Bewohner, einige von ihnen waren Schauspieler, Musiker, Sänger oder Tänzer; andere haben privat ein großes Interesse an Kunst und Kultur. Und das wird bedient: Wöchentlich übt der Chor, es gibt ein Kammermusikensemble und einen Konzertsaal. „Seinen Interessen und Leidenschaften auch im Alter folgen zu können, ist ungemein wichtig für die seelische Gesundheit“, sagt Pflegewissenschaftlerin Schaeffer.

3. Gemeinsam in die Rockerrente

Im hessischen Leeheim, unweit von Darmstadt, hat sich eine Gruppe von Lederjacken-Trägern zusammengetan, die in Eigeninitiative ein Altersheim speziell für Rocker und Motorradfans planen. Rockerpension nennen sie ihr Projekt. Mit Kneipe statt Essenssaal in Apricot. Mit Werkstatt statt Bastelecke. Mit „Highway to Hell“ von AC/DC statt „Auf der Straße nach Süden“ von Tony Marshall. Für Forscherin Schaeffer ist solch eine besondere Community ein gutes Mittel gegen Einsamkeit im Alter und das Gefühl, abgestellt und fehl am Platz zu sein. „Man hat die gleichen Vorstellungen und Interessen. Ideal, um weiterhin selbstbestimmt zu leben.“

4. Senioren- und Studentenwohnheim in Einem

Eine Aussicht, die vielen nicht behagt: eines Tages nur noch unter Alten zu leben. Das Seniorenheim Humanitas im niederländischen Deventer geht da einen ganz anderen Weg. Auf jeder der sechs Pflegestationen wohnt auch ein Student oder eine Studentin. 30 Stunden im Monat kümmern sie sich um ihre „WG-Nachbarn“, servieren das Abendessen, leisten Gesellschaft und nehmen den ein oder anderen Bewohner auch schon mal mit auf eine Studentenparty. Im Gegenzug haben die Älteren ein offenes Ohr für die Sorgen der jungen Generation und können mit ihrer Erfahrung wertvolle Ratschläge geben.

5. Bauernhof statt Altersheim

„Green Care“ lautet ein Konzept, das in Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden schon in Hunderten Projekten umgesetzt wurde. Die Idee: Bauernhöfe werden zu einem Platz für Senioren-WGs. In Deutschland gibt es erst zwei Dutzend dieser neuen „Großfamilien“.

Eine davon lebt im kleinen Ort Marienrachdorf im Westerwald. Altersgemischt wohnen hier die Bauersfamilie und 16 Senioren zusammen, versorgen gemeinsam 30 Hektar Land, Rinder, Schweine, Pferde und Gänse. Jeder ist in das Hofleben eingebunden, hat gemäß seinen Kräften seine Aufgaben. Kochen, ernten, ausmisten, bei der Geburt von Kälbern helfen. Das Konzept ist für die älteren „Landwirte“ ein großer Gewinn. Denn Studien zeigen immer wieder, dass Gartenarbeit und der Kontakt mit Tieren Balsam sind für die geistige und körperliche Fitness.

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